Wohnbiographien

Einen ganzen Tag nahmen wir uns in der Gruppe Zeit, uns mit unserer eigenen Wohnbiographie auseinanderzusetzen, sie den anderen vorzustellen und uns darüber auszutauschen. 
Inspiriert durch Fragestellungen (siehe Foto) von Micha Pedrowitz vom Wohnbund, die unseren Wohnprojektgründungsprozess begleiten, beschäftigten wir uns mit der Wohnsituation in unserer Kindheit, Jugend und im Erwachsensein.
Es war spannend, die verschiedenen Wohnstationen Revue passieren zu lassen und uns gegenseitig davon zu erzählen. Hier einige Eindrücke davon:

Neben unserem Wohnhaus war ein Bolzplatz. Das war super. Von meinem Kinderzimmer aus konnte ich immer sehen, wer da war und mich dazugesellen. So kam nie Langeweile auf und wir waren über viele Stunden draußen am Spielen und ich war nie allein.

Wir hatten eine italienische Familie in der Nachbarschaft. Wir Kinder fühlten uns dort immer willkommen. Da gab es oft Pizza und wir Kinder durften einfach mitessen. Das war schön.

In den WGs, in denen ich in meiner Studienzeit gewohnt hab, stapelten sich gerne die dreckigen Teller in der Küche. Das war einfach so und auch nicht so wichtig. Wichtig und schön war das Zusammensein in der Küche, kochen, klönen, Musik machen, Besuch aus anderen WGs haben, politisch zu debattiern und aktiv was auf die Beine zu stellen.

In meiner Kindheit und Jugendzeit lebten häufig auch Pflegekinder oder andere Menschen, die ein Obdach brauchten in der Familie mit. Das fand ich manchmal anstrengend. Deshalb ist es wichtig für mich, meinen eigenen Rückzugsraum zu haben.“

In meiner aktuellen Nachbarschaft fühle ich mich wohl. Wenn ein Ei oder was anderes fehlt, kann ich bei den Nachbarn anklingeln. Ich wünsche mir aber noch mehr Gemeinschaft und Nähe.

Es tat uns gut, uns gegenseitig zuzuhören, Gemeinsamkeiten, wie auch Verschiedenheiten festzustellen, eigene Bedürfnisse zu formulieren… und wir lernten uns so einfach nochmal intensiver kennen!